mercoledì 13 marzo 2019

Doppelkalender

Der Sozialismus hat offenbar auch vor Melchior, Balthasar und Caspar nicht halt gemacht, so dass die Weihnachtsferienzeit am 2.1. zu Ende sind und fleißig wieder studiert wird, laut Kalender. Außer mir ist dann allerdings niemand da. 

Ebenso gibt es im Februar eine Prüfungszeit, für die wir drei Termine benennen und Räume reservieren müssen. Zwar finden alle Prüfungen schon im Januar, während der Unterrichtsstunden statt, das wäre aber, wenn einer in der Direktion nachfragte, gar nicht wahr. 

So lebt einer nach einem doppelten Kalender, von denen der eine wahr, der andere aber wirksam ist. Vielleicht könnte man, wenigstens solange Schnee liegt und das Sonnenlicht schnell verfliegt, zauberhafte und wundersame Kalender hinzuerdenken, die wiederum eine eigene Gültigkeit hätten.

martedì 12 marzo 2019

Männersolidarität

Während ich über den Zebrastreifen gehe, wie man es hierzulande ja tun darf, kommt plötzlich so ein riesiger weißer SUV von links, hält nicht an, fährt dicht an mir vorbei. 

Die Dame am Steuer hupt noch, biegt ab und ist schon fast weg, als drei schnauzbärtige Herren, jeder auf seiner Ecke dieser Kreuzung, gleichzeitig laut "Kurwa!" ruft, wie um mir beizustehen.

venerdì 22 febbraio 2019

Einheitlich durchmischt

Ihre Familie sei kaschubisch, sagt sie. Pawels Großmutter spricht nur Deutsch, der Rest der Familie Polnisch. 

Du willst doch nicht in den Osten? fragen die aus dem Westen, und umgekehrt, nehme ich an. 

Die aus Posen stehen schon da und schauen auf die Uhr, während die aus Olsztyn noch zu Hause mit Schminken beschäftigt sind.  

Eine Dame aus Warschau lacht sich kaputt, als ich von den Masuren erzähle. 

Alle miteinander erklären dann, ihr Land sei so schön homogen, kulturell betrachtet: dass sie deshalb keine Ausländer gebrauchen können. So werden aus der Not die Lügen geboren und Politik. 

lunedì 28 gennaio 2019

Du kleine polnische Baustelle

In Europa stehen ja, Achtung Baustelle, überall diese Absperrungen mit schlappen weiß-roten Plastikstreifen herum, als würde dort auf der Straße oder dem Bahnsteig gearbeitet, wo aber seit langer Zeit nichts mehr passiert oder nie passiert ist. Nur Du, wie Du auch so am Warschauer Bahnhof, schon etwas hin- oder herverschoben, klein und ritterlich rot und weiß geschmückt dastehst und wartest, hast eben deine Bedeutung. 

der Grimm

Wie wir sonst durch die Städte dackeln, Augen links und rechts, mal ein Lächeln oder zwei, ein Traumschatten huscht übers Gesicht, nicht wahr? da sind wir hier fehl am Platz, wo Männer wie Frauen zwar ausnehmend freundlich zu sein wissen, das auf der Straße aber nicht zeigen, wo sie nämlich mit solch einem kampfbereiten? Grimm einhermarschieren, als wär grad Krieg und Bombenhagel. Nun genügte ja ein Przepraszam! um sie alle in zeitunbedenkende Hilfsbereitschaften zu verwandeln. Da müsste einer aber erst einmal drauf kommen. 

Pinguinwelt

Es schneit, der Schnee schmilzt, vielleicht nur zum Teil: er matscht. Es friert wiederum. Aufs Eis schneits. 

Der Fußgänger kann daher nicht, wie unsereiner das gerne täte, traumverloren durch die Welt dödeln, dann rutschte er nämlich, sondern muss, ganz aufmerksam, Schrittchen links Schrittchen rechts, durchs Weiß wackeln, auch mal, von rechts: eine Dame! schlagartig verlangsamen, kleinste Schrittchen! nicht bremsen! 

Das alles gibt uns allen hier ein recht pinguinhaftes rechts-links aufundniedergehendes Ansehen. 


sabato 22 dicembre 2018

Wichtige Wörter

Ob ich denn inzwischen ein paar Wörter gelernt hätte, fragte sie.
"Ja!" antwortete ich: "Pojemnik!" 
Etwas schnippisch gab sie zurück, dass Behälter vielleicht kein so wichtiges Wort sei. 
"Pojemnik na mocz!" erwiderte ich, Urinbehälter. Womit unmittelbar ihre Einschätzung korrigiert war. 

Politisches

Regierungen sollen ja auch Spaß machen. Nehmen wir an, in einem Land im fernen Osten hätten sie jetzt Leute, die, nach allem, was man mir zutrüge, denn verstehen täte ich ja nichts,  nicht genau wüssten, wie viele Könige am sechsten Januar gefeiert werden, und wenn einer gegen die was sagte, dann müsste er, egal ob Theater-, Museums- oder Schuldirektor: raus! raus! raus! und weg! aber sofort! So etwas Rabaukisches gibt es ja nirgendwo mehr zu sehen oder zu hören. Deshalb erhöbe sich, sobald man nach Politik fragte, gleich so ein Raunen und Kichern überall und dann kämen die dankbaren Witze, so wie es da vermutlich immer schon gewesen wäre.

(Die Italiener wissen das. In Venedig ließ einmal ein Bürgermeister Behausungen für Sinti und Roma bauen. Da langweilten sich die Leute aber und wählten beim nächsten Mal so einen Gurkenkönig, welcher dieselben jetzt einreißt, forträumt oder plattmacht. Das kostet vielleicht alles ein bisschen, aber für Unterhaltung muss gesorgt sein.) 


Toleranz

"Ihr trennt ja den Müll nicht", sage ich ihm. 
Er bleibt wie entrüstet stehen und weist auf die Tonnen in verschiedenen Farben: "Du kannst den Müll trennen!"

Bärengefühle


hier im Osten lässt der Mann der Dame den Vortritt, auch der jüngere dem älteren, und die Herren des Landes tun das, auch bei größeren Aufläufen, mit ungeahnter Wendigkeit, ohne auch nur den Schein einer Anstrengung, während ich da steh, hinseh oder -glotz und zähl, vielleicht schnüffle? mich dann dreh wie ein Bär und mir schließlich ganz wie ein Deutscher vorkomme, der bis gestern noch in irgend einem Mittelgebirge im Wald gelebt hat.




Igel


Über Nacht ists hier weiß beworfen, sind die Dächer alle bedeckt und die Wegesränder. 

Unter Hütchen geschützt die Mülleimer, und die hier ja nichts einfach auf den Bürgersteig werfen, wie man es sonst ja überall tut, sondern auch längere Zeit mit der Kippe in der Hand spazieren gehen, bis ein Behälter dafür gefunden ist, die stecken den Rest ihrer Freude jetzt oben aufrecht ins weiße Käppchen, weshalb nun an allen Wegen solche Slawenspäßchen oder Sündenigel an einem vorbei laufen.

Die Schlüsselprobe


sonst runde, jetzt eingesunkene Dame, Du sitzt da hinter Glas und schaust nicht auf, während ich Schlüssel 269 zu verlangen versuche,  etwas mit dschewientsch, Ziffer für Ziffer, weil die ganze Zahl ganz unaussprechlich wäre: Du korrigierst mich sanft, sagst sie leicht vollständig hin und nickst, bevor Du Deinen gewaltigen klingenden Ring hochhebst und meinen Schlüssel für mich befreist. 

Erleichtert, ich hab die Prüfung bestanden, nehme ich ihn in Empfang und danke Dir für die beschwingende Morgenprobe, Du Schlüsselmutter.

das Geheimnis


denn Samstag nachmittags saß ich in Berlin bei meinen Nachbarn, zwei Psychologiestudenten kurz vor dem Abschluss, nach welchem der eine Alkoholsünder befragen, der andere übers Meer fahren, nämlich Schiffsdecks schrubben würde, um dann, also nach einem Jahr, wie ich gehört habe, Bauer zu werden, in der Küche, als zunächst ein leises Zittern der Wände, dann ein langgezogenes A sich wahrnehmen ließ,  das von oben kam, wo ein junges polnisches Paar lebte. Dem A folgten weitere, aber kurze As, die sich schließlich zu einem langen A zusammenzuziehen schienen, dergestalt, dass Wände und Fenster und die Gläser in der Küche bebten. Wir drei Männer sahen uns an, wie geschlagen: nie im Leben würden wir eine Frau und damit ein ganzes Haus zu solcher Lusterschütterung bringen. 

Das derart in einer Stimme und einem Beben vernehmliche Paar kam wohl vom Lande. Die hübsche, aber völlig unscheinbare Frau trug auf der Straße ein Kopftuch, der große und magere Mann hingegen einen stolzen, links und rechts weit ausschweifenden Schnurrbart, wie wir ihn nur von alten Fotos kannten. Etwas gewissermaßen Heldisches, vielleicht das Geheimnis seines von ihr herausgeschrienen Erfolgs?